Ein Fünkchen Wahrheit

by Skyla Lane

Gleich passiert es. Das spüre ich. Da sind dieser Druck und die Schmerzen, die mir völlig fremd sind. Es ist ein Gefühl, als hätte jemand mein Blut herausgesogen und etwas anderes in meine Adern gegossen. Ich denke dabei an Sylvester, ans Bleigießen. Ich sitze auf der Couch mit meiner Familie, sehe den Löffel vor mir, merkte die glühend heiße Flamme, die den Klumpen schmilzt. Und dann – Blubb – wird der geschmolzene Klumpen ins kalte Wasser geworfen und erstarrt.

Genauso fühle ich mich. Genauso. Es tut höllisch weh. Ich möchte, dass es aufhört, will doch nur, dass es nachlässt. Möchte ich sterben? Bitte, lasst mich sterben. Aber ich fühle, dass ich längst gestorben bin.

Da ist niemand, der mir eine Wahl lässt. Lauf, schreie ich. Immer wieder: Lauf!

Lilly läuft nicht. Mein kleines Mädchen sieht mich durch ihre großen Kulleraugen an, aber ich glaube, sie hat mich nicht verstanden.

Lauf, schreie ich abermals. Lauf doch, Lilly. Bitte.

Um uns herum brennt es und mir wird so heiß, als hätten mich die Flammen ergriffen. Als würden sie sich in meine Haut fressen: durch meine Muskeln, meine Gedärme. Es sind aber nicht die Flammen. Vielmehr kommt es längst aus meinem Innern; aus meinem Kopf, als würde etwas in mein Hirn dringen.

Dunkel wird’s. Nach und nach schaltet es die Lichter in meinem Hirn aus. Nach und nach, bis nichts mehr übrig bleibt.

Von irgendwo klingen die Sirenen, aber sie hören sich verzerrt an. Wo ist Tanja, frage ich mich. Warum ist Tanja nicht hier und passt auf unsere Tochter auf?

Tanja ist tot, fällt es mir ein. Starb während der dritten Welle letzten Winter.

Lilly lebt, das ist das Wichtigste, auch wenn sie ihre Mami vermisst. Nachts ruft sie immer ihren Namen. Auch jetzt. Auch jetzt ruft sie Mama.

Warum sagt sie nicht Papa, frage ich mich. Warum immer Mama, Mama, Mama?

Ich werde wütend. Oh Gott.

Lauf, sage ich wieder. Lilly, lauf endlich.

Sie lässt ihren Teddy fallen und geht rückwärts. Ob sie mich verstanden hat? Ich glaube nicht; ich glaube nicht, dass ich sie überhaupt gewarnt habe.

Ich glaube, ich glaube – ich glaube, ich möchte sie nicht warnen.

Ich glaube, ich empfinde Hunger. Es ist seltsam. Ich möchte sie.

Lauf, bei Gott, lauf doch.

Gott ist tot auf dieser Welt. Es hat ihn nie gegeben. Feigling. Sieh doch nur, was du aus mir gemacht hast! Du bist einfach gegangen und hast deine Kinder im Stich gelassen.

Doch Gott war’s nicht.

Er war‘s. Gefreiter Paul Schmitt, der immer seine Scherze machen musste. Paul konnte nie hören, wenn wir ihm gesagt haben: Bleib weg von der Mauer, Schmitt. Geh nicht so nah ran, Schmitt. Manchmal springen sie, Schmitt.

Ich liebe dich, meine kleine Lilly. Ich bin es, Papa. Warum siehst du mich so an? Ich habe Schmerzen, Lilly, nur deswegen sehe ich so aus. Du kannst dir nicht vorstellen, wie sehr es weht tut.

Noch nicht, aber gleich; niemand kann entkommen.

Ich komme, Lilly.

Lauf.

Ich komme.

Es tut mir leid, meine Kleine. Es tut mir wahnsinnig leid.

Jahre später, irgendwo in Deutschland.

Ich habe eine Geschichte für euch. Ihr werdet es mir nicht abkaufen, darauf verwette ich diese Pulle Schnaps. Aber ich sag‘s euch, die ist wahr; so wahr, wie ich ein Säufer bin. Ich bin ein Überlebender – und seht mich ganz genau an: Ich sehe doch gut aus; ich meine, für einen der Letzten von uns. Hab Jacke und Hose, hab ein Dach über den Kopf, wenn es draußen mal wieder scheißedoll schüttet und zum Teufel, aber ich habe noch mein Leben. Alles dran, könnt ihr gucken. Wurde nicht gebissen. Nicht einmal während der ganzen letzten Jahre.

Meine Frau Martha hat‘s erwischt. Meine Bengels auch. Mensch, ich sage es euch, das waren Helden! Kaum überfielen uns diese schlurfenden Aasgeier, stiefelten meine beiden Bengels los und taten ihren Dienst im Namen der Regierung. Ha! Und unsere feige Regierung war damals so schnell, als es darum ging, rechtzeitig von hier abzuhauen. Ich sag es euch, bei meinem alten Herrn, ich könnte Lieder drüber singen. Die hocken jetzt in Wien. Hocken da und geben keinen Pfennig auf die ganzen Leut‘, die sie zurückgelassen haben. Stattdessen schicken sie uns Bomben und Lebensmittel und manchmal beides hintereinander weg, dass man gar nicht recht weiß, ob man essen oder lieber rennen soll.

Am Anfang ging es noch, natürlich; am Anfang hatte ich noch gesunde Beine, aber jetzt – jetzt hab ich Splitter von Granaten drin. Hier, guckt ruhig hin. Die eine steckt im Knie und die andere – nichts da, pfui! Tut weh, einen Splitter im Hintern zu haben. Mensch, der ist fast so groß wie eine Tasse. Na, zumindest ist er breit wie ein fetter Daumen. Ein fetter Splitter in einem fetten Arsch? Ach, hört doch auf, bin dürre wie ein verhungerter Schlurfer.

Die Geschichte soll ich erzählen, natürlich. Ja, die Geschichte. Ich muss mich erst entsinnen, wartet eine Minute. Bin ein alter Mann und alte Männer, die Splitter im Arsch haben, fett wie Daumen, die brauchen manchmal etwas länger. Kümmert euch lieber ums Feuer, ist schon fast heruntergeglüht. Brr, und kalt ist mir. Brauch unbedingt eine Decke. Holt ihr faulen Hurensöhne mir vielleicht mal eine Decke?

Danke. Jetzt kann ich anfangen und ich sage es gleich, damit ihr keine dummen Sachen ruft: die Geschichte ist wahr. Hab es von einem alten Halunken gehört, der sich damals gerne in Sektion Fünf aufhielt, weil es da nicht immer so gestunken hat. Und der hat es von seinem Bruder, der nun tot ist; nein, es war kein Schlurfer. War der Rum, ihr Drecksäcke. Manche Leute sterben auch ganz natürlich, auch heute noch, klar?

Jedenfalls hieß der alte Halunke Willi. Oder Gerd? Ach, was weiß denn ich. Namen braucht sich heut‘ doch keiner mehr merken, hält alles nicht lange, weil einem die Kumpanen reihenweise wegsterben. Mensch, wenn ich an meine Bande von früher denke, was waren wir Rebellen. Damals in den 70ern, wir haben Disco gemacht und Frauen aufgerissen. Kennt keiner von euch Jungchens mehr, was? Na und falls doch, ihr interessiert euch wohl kaum für die Sex Pistols und Donna Summer und die ganzen Helden meiner Jugend. Ihr hört lieber den Funk ab, feiert eure kleinen Siege am Lagerfeuer und statt Frauen, da holt ihr euch einen runter. Ich vermisse die Siebziger, das könnt ihr mir glauben. Mensch, wie ich die vermisse.

Willi war übrigens mein Jahrgang. Meinetwegen auch Gerd. Der jedenfalls konnte sich noch gut an die Geschichte erinnern, die hat er nämlich von keinem geringeren als dem legendären Sunny gehört; ihr wisst schon, diesen Amerikaner, der zu uns rüberkam und gar kein so schlechter Kerl war. Ich meine, für einen Amerikaner natürlich. Die wollen für gewöhnlich auch nichts mehr von uns wissen, seit wir hier die Probleme mit den Heinis haben. Fast wie unsere Regierung. Nach Wien, Mensch. Nach Wien, auf Deibel komm raus. Feige Hunde. Meine armen Bengelns, wären die bloß nicht für die Drückeberger in die Kiste gesprungen.

Gut, gut, hört auf zu nörgeln. Ich weiß, die Geschichte, sicher. Jedenfalls hatte es Willi oder Gerd von Sunny, und der war selbst dabei und hat es mit eigenen Augen gesehen. Ihr müsst euch das mal vorstellen; der Sunny, über den die ganze Welt redet, hat gesehen, wie es passierte. Und wenn der es sagt, ihr Teufels, ihr, dann muss es doch wahr sein, nicht? Aber im Ernst, Jungens, seht ihr eigentlich nicht, was da hinten kommt? Könntet ihr nicht endlich euren Bogen spannen und uns den vom Leib halten? Ich muss doch sehr bitten, und ja, meinetwegen ist es eine Armbrust. Trotzdem, jetzt fort mit ihm. Husch, scheucht den Vogel endlich weg. Ah! Mitten in den Kopf, Bursche, du hast Augen wie meine liebe Martha. Mensch, die hatte Augen wie ein Adler und brauchte nie eine Brille, und seht mich Brillenschlange dagegen an. Ist keine Hornbrille, du freches Früchten! Es setzt gleich was hinter dir Ohren!

Sunny, Sunny, Sunny. Ja, stimmt, Sunny war dabei, gut, dass du mich dran erinnerst. War vor zwei Jahren, drüben im Osten, da wo früher Karl-Marx-Stadt war. Chemnitz hatten sie es dann später genannt, aber ich hab immer Karl-Marx-Stadt gesagt. Die Trottels können eine Stadt doch nicht erst so und dann so nennen, kommt doch niemand mehr hinterher! Na, wenigstens ist es heute egal, wie sie heißt. Wer will schon in einer Stadt hocken und drauf warten, dass die einen überrennen? Ich nicht, Mensch, ich würde ja ohne meinen Stock auch kaum schneller sein als die. Früher war das anders, früher bin ich bei Olympia gerannt.

Sunny rannte damals auch, wenn ich Willi oder Gerd richtig verstanden habe. Die hatten einen Trupp Leute von Leipzig nach Karl-Marx-Stadt gebracht, weil es damals noch eine Sammlungsstelle in der Gegend gab. Jetzt haben’s die Bomben platt gemacht, aber damals war dort noch ein großes Camp mit provisorischen Zelten und diesen Mauern, die man überall mit hinnehmen konnte. Nein, ich meine keine Zäune. Redet mir doch nicht immer rein, wie soll ich mich so konzentrieren? Guckt lieber mal zum Schuppen, da kriecht doch schon wieder einer. Und wenn ihr sowieso aufsteht mit eurem Bogen, dann holt mir doch auch bitte noch was vom Schnaps. Steht unter den Regalen beim Hühnerstall. Ja, ich weiß, dass da keine Hühner mehr drin sind. Wie konntet ihr bloß Soldaten werden? Soviel Dummheit ist gefährlich, meine Güte.

Sunny jedenfalls war nicht dumm. Der war äußerst klug und gewitzt; der ist ja auch nicht einfach so zur Legende geworden. Damals hat der Hunderte von Leuten aus der roten Zone geholt und in Sicherheit gebracht; gut, so sicher, wie man hier eben sein konnte. Die Regierung wusste schon, warum sie lieber zu den Österreichern geht. Ich meine, Wien, also wirklich. Wien mit dem ganzen Getue, mit den Bällen und der ganzen Operei, ach, wer braucht das schon? Und wenn die reden, Mensch. Da lobe ich mir unsere Dialekte, die sind so schön einfach. Außer von den Bayern vielleicht, die verstand ich nie so gut, obwohl Martha Verwandte unten in München hatte. Aber was soll‘s, Bayern gibt es schon seit einem Jahr nicht mehr.

Sunny war also dabei und hat sie angeführt, diese trostlose Gruppe von Überlebenden. Aber Sunny konnte auch nicht überall sein und der konnte auch nicht alles und jeden immer überwachen. Da kam es schon mal vor, dass einer von den ganz Eifrigen sich beweisen wollte oder angeben oder was für dumme Ideen die Jugend von heut‘ so hat. Der arme Hund, der seinem Herrchen ans Bein pinkeln wollte, hieß Paul. Paul Schmitt hieß der, jawohl, Paul Schmitt. Warum ich mir den Namen merken kann? Na, weil‘s einer von meinen Bengels war.

Paule hatte schon immer den Hang, bisschen mehr zu behaupten, als er konnte. Hat sich immer viel geprügelt und musste ordentlich einstecken. War ein guter Junge, aber bisschen hinterher – ihr wisst schon, was ich meine. Dafür konnte er nun nichts und wir haben immer unser bestes an ihm getan, aber Paule blieb der Paule, der er war. Hatte ihn trotzdem lieb, war doch mein Jüngster. Hätte mir nur gewünscht, dass er in der Geschichte eine andere Rolle bekommen hät‘. Ihr wisst schon, bisschen was Heldenhaftes. Gibt mir mal den Whiskey, Bursche, ich muss mal paar Schluck auf meinen Paule nehmen. Und dann passt ein bisschen mehr auf. Dort, am Plumpsklo, der gehört nicht zur Ausstattung. Habt ihr eigentlich nur eure Bögen? Zu meiner Zeit haben wir noch die polierten, guten Karabiners gehabt.

Paule, Paule. Der ging jedenfalls immer an die Mauer und tat gut und gerne so, als wären die Schlurfer lustige Gesellen. Hat wohl gescherzt und Witze gerissen, obwohl‘s ihm natürlich verboten war. Aber meine Bengels waren von Hause her mutige Leut‘, die hat nichts erschreckt. Mensch, dem Paule haben sie, wie er noch zur Schule ging, so oft aufgelauert, der wusste schon, dass man mit Angst nicht weiterkam. Ich glaube auch nicht, dass mein Paule es gar böse meinte. Der wollte nur zeigen, dass sie sicher waren. Na, und dass das Böse seinen Schrecken verliert, wenn man halt den ein oder anderen Witz drüber reißt. Doch Paule übertrieb es gern, da war er ein ganz Großer drin, und als der zurück ging zu seinen Leutchens am Lagerfeuer, das die sich abends immer machten – na, da hatte er einen blutigen Arm und hat gekotzt, dass die Flammen ausgingen.

Im Kotzen war der Paule auch immer ganz gut, obwohl es meine liebe Martha nie besonders schicklich fand. Aber was raus muss, muss raus, sag ich immer. Der da übrigens will ins Haus, wenn ihr mal so freundlich seid.

Danke, Soldat. Bist ein ganz Tapferer. Wer so ein langes Messer hat, nun, der braucht aber nicht tapfer sein, sondern nur flink. Sieh nur, wie meine Veranda jetzt aussieht. Muss ich alles aufwischen. Teufels Zeug, geht nie und nimmer aus meiner Fußmatte raus.

Paule übrigens haben sie mit einer Kugel erwischt. Der Sunny selbst hat es getan und mir später einen netten Brief geschrieben. Leider konnte der das Deutsch nicht so recht, also klang es ganz schön arg, aber ich hab‘s dem nicht übel genommen. Müssen nicht unsere Sprache sprechen, um die zu töten. Und der hat eine ganze Horde niedergemacht, der Sunny. Ach, und meinen Paule. Aber das ging ja nicht anders.

Bevor die Paule erwischt haben, hatte der noch zwei andere gebissen. Beißen konnte der übrigens schon vorher gut, wegen der ganzen Prügel, die er in der Schule einstecken musste. Haben ihn später den Beißer genannt. Als er dann einer von den Echten war, hat er natürlich gleich zwei andere gebissen. Und dann waren es auch schon drei und die haben wieder welche erwischt und dann waren sie plötzlich ganz viele und alles hat gebrannt und geschrien und die Weiber sind wie gackernde Hühner weggerannt und haben ihre Köpfe im Sand vergraben.

Weiber sind für sowas nicht gut zu gebrauchen, war mit meiner Martha nicht anders. Packte tatsächlich noch die Bilder ein, als wir evakuiert wurden. Mensch, und ich sag es euch, die hatte Bilder, die Martha, das hat schon seine liebe Zeit gedauert, bis die alle verstaut waren. Die Soldaten haben ihren Koffer kaum auf den Laster gekriegt und als die wissen wollten, was da drin war – bei meinem alten Herrn, meine Martha konnte schon einen ordentlichen Ton anschlagen. Sind kreidebleich geworden, die Soldaten. Hätte Martha in der Regierung gesessen, na, die wäre nicht nach Wien gegangen.

Stattdessen wurde sie von einem kleinen Mädel gebissen. Hatte es ihr aber noch gesagt: Martha, sagte ich, geh da nicht rein. Brauchst keine neuen Kittel, du brauchst doch nichts mehr kochen, da, wo wir jetzt sind.

Aber Martha konnte nicht hören und wollte unbedingt neue Kittel, und ging durch die kaputte Fensterscheibe und peng! – da kam das Mädel mit ihren Zöpfen und hat Martha ins Bein geschnappt wie ein kleiner, verlauster Hund.

Martha war nun auch beleibter, nicht? Keine von den Dürren, an denen nichts dran ist. Da hatte das Mädel schon ihre liebe Not, die Martha ganz zu kriegen und es hat auch seine Zeit gedauert. Und das ganze Theater nur wegen einem Kittel, der nicht mal schick aussah. So in Blau und mit Blümchen und wie Martha es eben so mochte.

Jetzt ist sie bei unsere Bengels und das wird ihr wohl ganz gut gefallen.

In dem Lager vor Karl-Marx-Stadt jedenfalls hatte mein Paule ganz schön was angerichtet. Dort haben nicht viele überlebt, sag ich euch. Wenn der Paule was angefangen hatte, na, dann hat er es auch beendet. Bis man ihn erschossen hat, mein ich, aber da hatte er schon den Mann gebissen, der eine Tochter hatte und wohl ein ziemlich beliebter Halunke gewesen sein musste.

Nun weiß man, wenn man Vater ist, wie es einem ans Herz geht, wenn‘s das eigene Kind dran kriegt. Und der Willi sagte mir, oder der Gerd war‘s, dass der Vater ganz lange brauchte nach seinem Biss, ehe der selbst so einer war. Die Tochter hätte wohl die ganze Zeit vor ihm gestanden, im rosa Nachthemd und mit dem Zottelbären von der toten Mutter und hätte laut geschrien und geweint, weil der Vater so sehr laut fauchen tat. Ja, ja, Fauchen ist das. Ich bin nicht blöd, Jungens, ich weiß sowas natürlich. Der fauchte gewiss seine Tochter an und keiner hatte Zeit bei dem ganzen drunter und drüber, das Mädel wegzuholen, bevor der Vater … na ihr wisst schon.

Nach ein paar Minuten war er dann einer von denen und auch viel flinker, weil er ja so frisch geschlüpft war wie ein Küken. Der Sunny selbst hat es gesehen und wohl bei sich gedacht: Mein Gott, der frisst seine eigene Tochter!

Die war auch klein, so fünf oder sechs, und dumm natürlich, weil sie nicht weggerannt ist wie die ganzen anderen Leut‘. Sunny lief also los, als er das sah, doch da kam noch einer von den Schlurfern, die am Anfang so flink mit den Beinen sind. Und jetzt, Mensch, jetzt kommt es erst und ihr werdet es nicht glauben, aber ich schwöre es auf meinen Whiskey, dass es nur die Wahrheit ist, weil‘s der Sunny ja gesagt hat.

Der Schlurfer kam nun also und wollte das Mädel fressen, so ganz mit Haut und Haaren. Der Sunny aber, diese amerikanische Legende, der war nicht so schnell. Na, ich schätze, weil der auch schon den ein oder anderen Splitter im Arsch hatte. Doch bevor der Schlurfer dann das Mädel packen konnt‘, da kam der Vater, Jungens, ihr werdet es nicht voraus denken können – aber da kam der Vater und biss den anderen Schlurfer und die fauchten sich an und keilten miteinander, während das Mädel schrie und keinen Kratzer davon trug. Und der Sunny kam natürlich auch und erschoss die beiden, und der hat‘s nie vergessen und es aufgeschrieben und es überall erzählt, obwohl man ihm nicht glauben wollt‘, natürlich.

Aber so is‘ es gewesen, Jungens, so und nicht anders, und ich will verdammt sein, wenn man‘s nicht für bare Münze nehmen kann! Also lasst das Kopfschütteln und macht eure Mäuler zu! Das stinkt schon, was da raus kommt. Nehmt lieber den Whiskey und trinkt wie Männer, und dann stoßen wir auf den diesen gottverdammten Halunken an, der schon ein Schlurfer war und trotzdem noch sein Mädel gerettet hat!

~Ende~

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